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Inklusion kann Schicksalsschläge abdämpfen


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Das gesellschaftliche Potential von Inklusion ist enorm. Ein Aspekt: Unzählige Schicksalsschläge könnten durch eine umfangreich inklusive Welt wesentlich abgedämpft werden. Wie das funktionieren soll, erfahren Sie in den folgenden Zeilen.



Wie im letzten Blog-Beitrag namens "Inklusion: Eine Frage der Grundeinstellung" – welchen ich Ihnen als Basis für den heutigen Beitrag gerne ans Herz legen möchte – erläutert wurde, ist die große Kluft der Wahrnehmungen von „Behinderung“ zwischen den betroffenen Menschen und der Allgemeinheit der Ursprung dafür, dass Inklusion bei uns in den Köpfen noch bei weitem nicht so ausgeprägt ist wie in vergleichbaren anderen Ländern. Um die Bedeutung von Inklusion besser verstehen zu können, möchte ich Sie heute auf eine gedankliche Reise mitnehmen. Stellen Sie sich nun folgende zwei Szenarien vor.



Szenario eins


Sie haben einen Job, eine Familie und sind mit 40 Jahren sehr sportlich unterwegs. Plötzlich sind Sie durch einen Autounfall fortan hüftabwärts gelähmt und sitzen ab diesem Zeitpunkt im Rollstuhl. Der Weg, sich darüber bewusst zu werden, nie wieder gehen zu können und vielleicht ihrem Lieblingssport nicht mehr nachgehen zu können, verlangt ihnen viel Kraft und viele Tränen ab. Das vor drei Jahren fertiggestellte Einfamilienhaus hat zwei Stockwerke, Schlaf- und Badezimmer im oberen Stockwerk sind für Sie nicht mehr erreichbar. Ihr Kind können Sie nicht mehr alleine zur Schule bringen, da der Umbau des Autos viel zu teuer ist. Der Kredit für das fertiggestellte Haus kann nicht mehr abbezahlt werden, da man dem alten Job nicht mehr nachgehen kann und keinen neuen mehr findet, weil sich kaum ein Arbeitgeber traut, einen mittlerweile wieder sehr mobilen Rollstuhlfahrer für einen Bürojob einzustellen. Auf der Suche nach Lösungen dieser Probleme im Umfeld haben Sie sich in der Zwischenzeit mit ihrem eigenen Körper wieder angefreundet und kommen mit ihrem gesundheitlichen Zustand wieder gut zurecht, doch sobald Sie unterwegs sind, bekommen Sie regelmäßig von fremden Leuten unabsichtlich klargemacht, dass ihre Behinderung das Problem ist und Sie möglicherweise nicht gleichwertig sind - (mit den im letzten Beitrag erwähnten Aussagen). Aufgrund dessen fallen Sie wieder in alte, negative Denkmuster zurück und beginnen erneut an sich zu zweifeln.

In einer umfänglich inklusiven Gesellschaft wäre man vor so einem Schicksal nicht gefeit, doch die meisten Situationen nach dem Unfall würden gänzlich anders aussehen.



Szenario zwei


Der Weg, sich darüber bewusst zu werden, nie wieder gehen zu können und vielleicht ihrem Lieblingssport nicht mehr nachgehen zu können, verlangt ihnen viel Kraft ab, über Social Media und im TV haben Sie jedoch schon seit längerem Personen verfolgt, die mit Behinderung ein sehr attraktives Leben führen und ihren Hobbies nachgehen. Menschen mit Behinderung in der Öffentlichkeit sind längst keine Ausnahme mehr, sondern teilweise etablierte Größen in ihrer Branche mit Vorbildwirkung. Eine neue Lieblingssportart zu finden ist nicht schwer, da es flächendeckend Angebote gibt, als Mensch mit Behinderung neue Interessen in inklusiven Vereinen (die mittlerweile nicht mehr das Wort „inklusiv“ erwähnen) zu finden. Der Umbau des Hauses sowie des Autos wird von staatlichen Mitteln gedeckt, da eine umfangreiche Soforthilfe für solche Schicksale im Bundesbudget berücksichtigt ist. Spenden benötigt es hier keine mehr. Einen neuen Job am ersten Arbeitsmarkt zu finden ist für Sie gleich einfach bzw. schwierig wie für Menschen ohne Behinderung. Ohne Quotenregelung sind Arbeitgeber längst bemüht, Leuten mit Behinderung die selben Chancen im Bewerbungsprozess sowie am Arbeitsplatz zu gewährleisten; gegenteilige Umstände sind mittlerweile gesellschaftlich geächtet und schlagen schnell große mediale Wellen. All diese Faktoren führen dazu, dass Sie sich ungleich schneller mit Ihrer Situation anfreunden und durch Chancengleichheit in allen Bereichen neu entfalten können. Sie sind kein Einzelfall – unzähligen Menschen mit ähnlichem Schicksal geht es gleich und längst verfallen Leute in solchen Situationen nicht mehr in Selbstmordgedanken.


Sie erkennen den Unterschied der beiden Szenarien – er ist enorm. Welche weiteren Vorteile Inklusion mit sich bringt – tatsächlich profitiert auch die Allgemeinheit davon – möchte ich Ihnen gerne in der nächsten Ausgabe näherbringen. Ich freue mich darauf!



 

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Dieser Text von mir ist ursprünglich in meiner Kolumne im Straßenmagazin Megaphon erschienen.

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Um eine weitläufig inklusive Welt zu schaffen, müssen wir als erstes unsere Gedanken neu ordnen und so manche Schlüsse neu Überdenken.

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