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  • AutorenbildLuca Kielhauser

Eine resistentere Gesellschaft durch Inklusion



Umfangreiche Inklusion von behinderten Menschen wird noch viel zu sehr ausschließlich als „erbarmende“ Hilfestellung für Betroffene gesehen – obwohl sie einen massiven Benefit für die gesamte Gesellschaft bedeuten würde. Im Gegensatz zu meinem letzten Blogbeitrag – in der ich die These aufgestellt habe, dass zahlreiche Schicksalsschläge durch Inklusion wesentlich abgedämpft werden könnten – möchte ich diesmal auf die Vorteile von Inklusion eingehen, die es auch für nicht behinderte Menschen geben kann.



Alles wird immer schneller, aber zugleich auch immer „ruhiger“. Das Handy verführt uns dazu, unsere Termine noch dichter getaktet zu planen und mehr in der Zukunft als in der Gegenwart zu leben, aber gleichzeitig setzt sich gefühlt jeder Zweite seine Kopfhörer auf, wenn er auf die Straße geht. Und mit der Zeit denke ich, wächst durch den Stress in Kombination mit der Abschottung wieder das allgemeine Verlangen nach zwischenmenschlichem Kontakt und Entschleunigung. Das kann Inklusion bieten.


Man tritt miteinander in Kontakt


Wenn sich mehr behinderte Menschen in die Öffentlichkeit begeben - da das in einer umfangreich inklusiven Welt durch flächendeckende Barrierefreiheit möglich sein würde - treten Leute, die sonst kaum etwas mit behinderten Menschen zu tun haben, öfter mit dieser (aktuell noch) Randgruppe in Kontakt. Da niemals alle Barrieren für jeden Einzelnen beseitigt werden können, entsteht auch immer öfter ein direkter Kontakt zwischen Menschen mit und Menschen ohne Behinderung. Die einfache Frage auf dem Weg zur Arbeit: „Entschuldigung, könnten Sie mir mit dem Rollstuhl bitte kurz über diese Gehsteigkante helfen?“, veranlasst beispielsweise fremde Menschen zwangsläufig dazu, miteinander zu reden. Hinzu kommt der Fakt, dass uns Helfen ein gutes Gefühl gibt.


Viele Menschen mit Behinderung benötigen auch rein motorisch für gewisse Abläufe mehr Zeit. Durch Inklusion würden damit auch immer mehr Menschen ohne Behinderung konfrontiert werden. Manche Situationen im Alltag können so entschleunigt werden und das Miteinander stärken.


Mehr Bewusstsein für das eigene Umfeld


In einer stark globalisierten Welt, wie wir sie bei uns gerade vorfinden, verlieren wir oft das „Selbstbewusstsein“ im wahrsten Sinne des Wortes aus den Augen – das Selbstbewusstsein im Sinne von: Wir sind uns über unsere Rolle, die wir für unser Umfeld und somit für unsere Gesellschaft spielen, bewusst. Inklusion kann auf Dauer die Hilfsbereitschaft der Menschen zwangsläufig steigern, da Leute verstärkt einen Blick dafür bekommen, was Mitmenschen gerade brauchen. Diese Hilfsbereitschaft lässt die Helfenden unterbewusst in eine Rolle schlüpfen, durch die sie vielleicht ihren Wert für die Allgemeinheit definieren können. Ich bin der Meinung, dass Inklusion somit gerade in einer vielvernetzten, globalisierten Welt dafür sorgen kann, dass alle bis zu einem gewissen Grad mehr Halt in ihrem Leben bekommen können.


Lösungsorientiertes Denken


In einer inklusiven Gesellschaft ist sich der Großteil über die alltäglichen Herausforderungen von behinderten Menschen bewusst. Da die meisten um den enormen Wert von Chancengleichheit, den Inklusion mit sich bringt, Bescheid wissen, versuchen viele auch Lösungen für so manche Probleme zu finden. Und genau das ist eine weitere These von mir: Inklusion fördert Flexibilität und lösungsorientiertes Denken der Allgemeinheit. Das hilft dann aber natürlich nicht nur beim Thema Barrierefreiheit, sondern in allen möglichen Bereichen des Lebens.


Ich bin überzeugt davon, dass diese beiden Aspekte eine Gesellschaft sehr resistent und stark machen können. Deshalb bin ich auch der Meinung, dass Inklusion massiv im Interesse von führenden Politikern stehen und dieses Thema viel zentraler behandelt werden sollte.


Inklusion hat natürlich noch viele weitere Vorteile für die gesamte Gesellschaft, viele davon liegen auch im Detail. Alle hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Abgesehen davon wird man auf einige Vorteile erst bei der Umsetzung stoßen, da sie nicht absehbar sind. Im nächsten Beitrag werde ich auf konkrete Schritte eingehen, die die Politik setzen müsste, um Inklusion in allen Bereichen einen ordentlichen boost zu verleihen. Ich freue mich darauf!



 

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Dieser Text von mir ist ursprünglich in meiner Kolumne im Straßenmagazin Megaphon erschienen.

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