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  • AutorenbildLuca Kielhauser

Inklusion kann so naheliegend sein #2


Der Text wurde im Frühjahr 2023 verfasst


Bereits in der vergangenen Ausgabe meiner Kolumne habe ich einige Punkte dargestellt, die es bräuchte, um unsere Gesellschaft inklusiver zu machen. Das möchte ich heute gerne fortführen. [Zur vergangenen Ausgabe]


Speichenschutz eines Rollstuhls

Beginnen wir mit dem „ersten“ Arbeitsmarkt, wo es Änderungen geben muss. Vor allem in einer digitalen Welt, in der wir uns mittlerweile befinden, gibt es unzählige Jobs, die auch Menschen mit Behinderung ohne jegliche Bedenken ausführen können. Vielen Unternehmen scheint das leider nicht bewusst zu sein. Obwohl ich die Quotenregelung in diesem Bereich eher skeptisch sehe, denke ich, der einzige Weg um hier eine maßgebliche Verbesserung zu bewirken, ist die Anhebung der Strafen, die man zahlt, wenn man niemanden mit Behinderung einstellt – und zwar um den Faktor zehn. Man muss Firmen dazu bringen, sich auch um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung zu bemühen. Der „Aha-Effekt“, dass ein inklusives Team bereichernd sein kann, wird dann in sehr, sehr vielen Fällen automatisch eintreten.

 

Inklusive Schulklassen als Grundstein

 

Damit es wiederum auch geeignetes Personal mit Behinderung gibt, muss zuvor Bildung für behinderte Menschen neu überarbeitet werden. Ich selbst war in der Volksschule in einer Inklusionsklasse, wo Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam den Unterricht besucht haben. Ich bin überzeugt davon, dass das ein ausschlaggebender Grund gewesen ist, dass ich heute das selbstbestimmte Leben führen kann, das ich führe. Meine Klassenkollegen haben schon ganz früh begonnen, ein Bewusstsein für Behinderung zu bekommen. Für sie war es nie ein Thema, dass ich im Rollstuhl sitze und ich kann mich auch an kein einziges Gespräch erinnern, in dem das thematisiert worden wäre - ebenso später im Gymnasium. In meiner Schulzeit bin ich mit schätzungsweise rund 40 verschiedenen Schülern in eine gemeinsame Klasse gegangen. Keinem einzigen hat man jemals Mal erklären müssen, was Inklusion ist, denn sie haben von Beginn an unbewusst nichts anderes gekannt, als Inklusion zu leben. Alleine inklusive Klassen an jeder Schule in jedem Jahrgang hätten einen unglaublich großen Stellenwert für die Gesellschaft. Und der Vorteil daran für Leute mit Behinderung? Sie lernen, sich ganz normal in ein soziales Gefüge einzubauen und bekommen die selbe Bildung und somit die selben Chancen – im Gegensatz zu behinderten Schülern der meisten Sonderschulen.

 

Es muss bekannt sein, was alles möglich ist

 

Ganz wichtig ist es, die Angebote, die Menschen mit Behinderung in einer umfangreich inklusiven Welt haben, dann auch nach außen zu tragen. Jeder muss darüber Bescheid wissen, was es gibt, denn jeder ist betroffen. Immerhin: Eine Behinderung kann man von einem auf den anderen Tag z.B. durch einen Unfall bekommen. Es sollte eine eigene Anlaufstelle (oder/und Website) dafür geben, die eine Übersicht bietet, denn viel zu viel erfährt man auch heute noch nur über „Mundpropaganda“ und das ist für die Umsetzung eines Menschenrechts wie Inklusion eben nicht ausreichend. Außerdem sollte es Ansprechpersonen für die Angebote an Krankenhäusern geben. Wenn eine Mutter unerwartet ein behindertes Kind auf die Welt bringt, kann für sie vorerst eine Welt zusammenbrechen. Wenn dann aber jemand da ist, der Überblick hat und sagen kann: „Da gibt es so viele Möglichkeiten, dass das Kind mit Behinderung und die Eltern ein erfülltes Leben führen können“, dann kann das extrem viel Last von den Schultern nehmen.

 

Inklusion ist, wie Sie sehen können, unglaublich umfangreich. In diesem und im vergangenen Beitrag habe ich nur einmal ein paar der zentralsten Punkte präsentiert. Hier könnte man wahrscheinlich einen ganzen Roman darüber verfassen. In der nächsten Ausgabe möchte ich klarstellen, dass in einigen Fällen auch Menschen mit Behinderung in der Pflicht stehen, um zu einer inklusiveren Welt beizutragen. Ich freue mich darauf!


 

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Dieser Text von mir ist ursprünglich in meiner Kolumne im Straßenmagazin Megaphon erschienen.

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